Naturschutzgebiet Hochmoor am Kesselsee

Mit 83 ha ist das Hochmoor am Kesselsee das größte und bedeutendste Naturschutzgebiet im nördlichen Landkreis Rosenheim. Die Moore und Seen sind einer der letzten Rückzugsräume für viele seltene Tiere und Pflanzen.

 

Entstehung

Das Gebiet entstand während der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren. In der Rückschmelzphase des Inn-Gletschers wurde Gletschereis von den Gesteins- und Schottermassen des Ur-Inns überdeckt. Durch das langsame abschmelzen entstand die charakteristische Hohlform in der Landschaft – ein Kessel. Ursprünglich war die gesamte Senke von Wasser gefüllt, doch mit der Zeit verlandete der Ur-See durch Sedimentation und Moorbildung. Heute sind noch 5 Restseen vorhanden, die teils von unterirdischen Quellaufstößen gespeist werden. Am Beeindruckendsten ist eine 8m tiefe Quellgrube im Kristallsee.

Ursprünglich dürfte das Kesselseegebiet nahezu Baum frei gewesen sein. Das nährstoffarme Moor war bedeckt von Moosen und niedrigwüchsigen Pflanzen wie dem Schwarzen Kopfried und Mehlprimeln. Die offene Landschaft war Lebensraum für das hier mittlerweile ausgestorbene Birkhuhn.

 

Wirtschaftliche Nutzung

Zur Gewinnung von landwirtschaftlicher Nutzfläche wurde der Wasserstand im Kesselseegebiet mittels eines Grabens 1892 um ca. 1 m abgesenkt. In den trockeneren Randbereichen konnten nun die Moorwiesen bewirtschaftet werden. Auf den mageren und sauren Böden war allerdings nur eine Mahd im Herbst zur Streugewinnung möglich. Durch diese seltene, aber regelmäßige Bewirtschaftung entstanden blumenreichen Streuwiesen mit der Wiesen-Iris und zahlreichen Orchideen. Auch die mächtigen Torfvorkommen weckten Begehrlichkeiten als Brennmaterial. Im Gegensatz zu vielen Moorgebieten wurde der Torf hier von den umliegenden Bauernfamilien nur händisch und damit kleinflächig abgebaut. Insbesondere im Nordteil des Kesselseegebietes sind somit viele Kleingewässer entstanden die heute als Lebensraum für Libellen und Amphibien dienen.

Eine bis heutige negative Entwicklung ist die forstliche Nutzung der Kessellage. Da die Streuwiesen seit den 1950er Jahren nicht mehr gebraucht werden, hat man sie mit Fichten aufgeforstet. Der standortfremde Baum wächst auf den nassen Böden nur sehr schlecht, verdrängt aber viele Moorarten. Auch als Müllgrube wurde des Kesselsee benutzt. In manchen Torfstichen kann man die Altlasten noch sehen.

 

Badesee

Vielen älteren Menschen dürfte der Kesselsee noch als Badesee bekannt sein. Durch die idyllische Lage war er ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste von nah und fern. Auf der Westseite gab es sogar eine Liegewiese und einen Kiosk. Die Beliebtheit wurde dem See jedoch zum Verhängnis. Zu den Hochzeiten wurden mehr als 2000 Personen gezählt sowie 750 Autos. Durch den Ansturm nahm die Wasserqualität stark ab und die sensiblen Uferbereiche des Moores mit trittempfindlichen Arten wie dem Sonnentau wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. 1982 wurde eine generelles Badeverbot für den See ausgesprochen. Seitdem regenerieren sich See und Uferbereiche. Die Plastikabfälle von damals finden sich aber noch heute.

 

Heute

Auf den ersten Blick wirkt das Kesselseegebiet heute nahezu unbeeinträchtigt. Doch während die Trittschäden nahezu verschwunden sind wirkt die Entwässerung bis heute fort. Weiterhin werden Düngemittel über Lufteintrag in das von Natur aus nährstoffarme Moorgebiet eingetragen. Durch diese von dem Menschen verursachten Veränderungen werden Bäume wie der Faulbaum oder die Kiefer begünstigt und bedecken nun den Großteil des Gebietes. Die Bewaldung gefällt dem Biber, der mit dem Astwerk nun am Kesselsee seinen Burgen baut.

Die ursprüngliche offene Moorlandschaft ist aber nahezu verschwunden und mit ihr viele seltene Tiere und Pflanzen. Die letzten Streuwiesenreste auf der Westseite und am Kristallsee werden heute von dem Landschaftspflegeverband Rosenheim erhalten. Trotz der andauernden Veränderungen ist das Kesselseegebiet heute einer der letzten großen Rückzugsräume in der vom Menschen dominierten Landschaft.

 

Landschaftspflege im Rahmen des Projekts

Kalkflachmoore zählen zu den artenreichsten Lebensräumen im Kesselseegebiet. Aufgrund der Verbuschung sind sie jedoch die am stärksten bedrohten Lebensräume. Durch die Hilfe von Freiwilligen aus der Jägerschaft und dem Bund Naturschutz könnten beeinträchtige Kalkflachmoore wieder hergestellt werden.

Durch Entbuschungsmaßnahmen und regelmäßige Mahd werden die letzten Bereiche offen gehalten. Seltene Pflanzen wie die Sumpf-Stendelwurz oder das Kopfried können sich nun wieder ausbreiten.

 

 

Hinweis:

Um die seltenen Tiere und Pflanzen nicht zu stören gilt auch heute noch ein Betretungsverbot für das Naturschutzgebiet vom 01.03 bis zum 15.09.

Für die sensiblen Uferbereiche und Verlandungszonen (Moore) gilt ein ganzjähriges Betretungsverbot

 

 

 

Nasswiesen bei Rudering

Nordöstlich von Rudering endet das Steppacher Feld und geht in die Moränenlandschaft über. Am Tiefpunkt vor dem Geländeanstieg tritt das Grundwasser aus. Hier finden einen langgezogenen Nasswiesenkomplex der von Fürholzen bis nach Staudham reicht. Um das Gebiet zu entwässern wurde ein Graben angelegt, der überschüssiges Wasser in die Ebrach abführt.

 

 

Die Nasswiesen wurden Vergleich zu vielen anderen Streuwiesen noch sehr lange bewirtschaftet. Daher finden wir hier noch eine tolle Blumenvielfalt mit seltenen Arten wie dem Knabenkraut, der Trollblume und dem Wiesen-Knöterich. Eine Besonderheit ist das Vorkommen des Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Ein Schmetterling mit einem komplexen Lebenszyklus, dessen Raupen nur an dem Wiesenknopf fressen und auf bestimmte Ameisen angewiesen sind.

In dem Graben finden wir Moorpflanzen wie dem Sumpfblutauge und der Drachenwurz. Diese deuten auf die nährstoffarmen Verhältnisse hin – mittlerweile eine Seltenheit.

Seit dem Herbst 2021 ist der Landschaftspflegeverband Rosenheim auf der Fläche aktiv und mäht die Wiesen zwei mal im Jahr. Dies ist wichtig für den Erhalt des Biotops.

Schmidmoos bei Edling

Recht versteckt liegt das Schmidmoos im Holz zwischen Edling und Brandstätt. Einen Blick kann man von der Bahnlinie nach Ebersberg aus erwischen. Entstanden ist der Toteiskessel in der letzten Eiszeit und war lange Zeit ein See, der mit der Zeit verlandete. Bis vor ca. 70 Jahren wurde das Moos von den Bauern für die Streumahd genutzt und es entstanden blumen- und artenreiche Streuwiesen. Von der ehemaligen Bewirtschaftung zeugen heute nur noch Grenzgräben und aufgeschüttete Wege, denn das Moos ist mittlerweile eingewachsen von Schilf und Sumpfgebüschen.

Im Rahmen des Projekts „Schätze der Eiszeitlandschaft“ wurde das Schmidmoos im Herbst 2019 genauer in den Blick genommen. Biodiversitätsberater Jonas Garschhammer stellt einen Verlust von besonders geschützten Pflanzenarten fest: „Die letzten offenen, niedrigwüchsigen Bereiche sind in den vergangenen Jahren verschwunden. Besonders seltene Pflanzen wie die Weiße Blumenbinse oder das Sumpf-Herzblatt waren heuer nicht mehr auffindbar.“ Die Beobachtungen werden geteilt von der Biologin Ilse Engelmaier. Die im Schmidmoos ehemals häufige Sumpfschrecke ist heute selten geworden und der Laubfrosch konnte gar nicht mehr nachgewiesen werden. Nach der Biologin liegt das auch an der „Verschilfung und Verbuschung“ des Gebietes. Durch die Ausbreitung der hochwüchsigen Arten werden kleinere Blühpflanzen und viele Insekten verdrängt.

Um die selten gewordenen Streuwiesen wieder zu fördern wurden die Wiesen entbuscht und nun wieder regelmäßig gemäht. Die Maßnahmen sind Teil eines Pflegekonzeptes für das Schmidmoos. Begonnen wurde im Winter 2020 auf der Südwestseite und jedes Jahr um ein kleines Stück erweitert. Mittlerweile umfasst der Pflegebereich über 40.000 m² und gilt damit als eines der größten Renaturierungsprojekte im nördlichen Landkreis Rosenheim.

Die Umsetzung erfolgt durch den Landschaftspflegeverband Rosenheim sowie die Grundstücksbesitzer und Landwirte Josef Krieger und Franz Kirmaier. Dabei wurden Faulbäume entfernt und die Flächen wieder abgemäht. Neben der Herbstmahd ist derzeit auch eine Sommermahd wichtig und die Bekämpfung des Drüßigen Springkrauts, einer invasiven Pflanze aus Asien die die heimische Flora bedroht.

Zusätzlich wurden auch Kleingewässer angelegt für Frösche und Lurche. Schon im ersten Jahr konnten viele Laichballen des Grasfrosches gefunden werden. Von den Jungtieren ernährt sich auch die Ringelnatter, die somit auch von den Maßnahmen profitiert.

„Nach der Herstellungspflege sieht so eine Fläche erstmal recht wild aus“, so Rosa Kugler vom Landschaftspflegeverband. „Aber nur so kommt Luft und Licht an die Samen im Boden. Diese können dann wieder austreiben und die Fläche wächst dann schnell wieder ein.“ Von der regelmäßigen aber extensiven Mahd profitieren dann seltene Blühpflanzen wie die Wiesen-Iris oder auch Orchideen.

Zukünftig kann das Schnittgut dann wieder als Einstreu auf dem Hof von Josef Krieger verwendet werden. Der Naturschutzgedanke steht aber im Vordergrund. Ein Modell für das Gesamte Moos? „Keineswegs. Auch das Schilf und das Sumpfgebüsch sind wichtige Lebensräume. Für die Artenvielfalt ist ein Nebeneinander von verschiedenen Strukturen wichtig. Ob und wenn ja welche Maßnahmen durchgeführt werden wird im Einverständnis mit den Grundstückseigentümern und der Naturschutzbehörde festgelegt“, so Garschhammer.

 

Entbuschung eines Kalkflachmoores mit den Revierjägern (Edling)

Zu den artenreichsten Lebensräumen in der heimischen Kulturlandschaft zählen die Kalkflachmoore, die einmal im Jahr, meist im Herbst, gemäht werden.

Die Artenvielfalt nimmt nicht nur ab wenn zu viel gemäht wird, sondern auch wenn garnicht mehr gemäht wird. Mit der Zeit wachsen mehr und mehr Büsche auf und überwachsen niedrigwüchsige Blumen wie die Mehlprimel.
Gemeinsam mit den Revierjägern und weiteren Freiwilligen drängen wir die Gehölze zurück, so dass die Streuwiese wieder regelmäßig gemäht werden kann.

Nun schon im zweiten Jahr wurde eine Orchideenwiese vergrößert.