Babenshamer Waldmösel

In dem Moränengürtel nördlich von Babensham finden sich die mitunter imposantesten Toteiskesselformationen des ganzen Inn-Chiemseegletscher-Gebietes. In dem stark reliefierten Gelände sind die sogenannten „Waldmösel“ (Kleine Waldmoore) Inseln der Artenvielfalt.

Neben einer Vielzahl von seltenen Pflanzen wie dem Fieberklee und dem Sumpfblutauge gibt es hier noch Vorkommen des Kammmolchs. Unser größter heimisches Molch ist in der Region nahezu ausgestorben und lebt hier in den Gewässern.

Im Rahmen des Projekts „Schätze der Eiszeitlandschaft“ wollen wir wieder ein Netzwerk an Waldmöseln aufbauen und somit Arten wie den Kammmolch oder den Kleinen Wasserfrosch fördern. Hierzu haben wir bisher zwei imposante Toteiskessel renaturiert.

Die beiden Toteiskessel wurden vor über 50 Jahren randlich verfüllt mit Schottern und Kiesen. Weiterhin wurden organische Abfälle eingebracht. Aufgrund dieser Störung haben sich in den Kesseln Sumpfgebüsche ausgebreitet und die ursprünglichen Moorpflanzen wie das Sumpf-Blutauge, den Fieberklee und das Scheidige Wollgras immer stärker verdrängt. Die bedrohten Pflanzenarten waren bei einer Bestandsaufnahme im Jahr 2019 nur noch vereinzelt zu finden.

Im Winter 2019 begannen wir in einem Toteiskessel gemeinsam mit dem Grundstückseigentümer die Gebüsche mitsamt ihrer Wurzeln zu entfernen. Im Zuge der Maßnahme baggerten wir einen Teil der Verfüllung wieder aus und schufen somit ein Kleingewässer. Im Sommer 2020 konnten wir erfreulicherweise feststellen, dass die bedrohten Pflanzenarten sich wieder ausbreiten konnten. In dem Teich finden wir Wasserfrösche und den Teichmolch.

Im Winter 2020 wurde mit der Renaturierung eines zweiten Kessels begonnen. Aufgrund der Größe wird dieser in zwei Abschnitten (2020/2021) wieder hergestellt.

 

 

Frühjahr 2020

Aufgrund der sehr speziellen Morphologie des Kessels mit sehr steil abfallenden Hängen interessierte uns die Tiefe des Moores. Dafür haben wir gemeinsam mit einem Studenten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf eine Bodensondierung durchgeführt. Dabei werden mit einem Torf-Bohrer Segmente von jeweils 50cm Bodentiefe entnommen. Segment für Segment arbeitet man sich so mühsam in die Tiefe vor. In den Randbereichen konnten wir bei 7,5 m Tiefe auf die Tonschicht stoßen. In dem Bild ganz rechts sieht man Bodenproben der untersten Torfschicht. Man erkennt Blätter der Birke und des Laichkrauts sowie verschiedener Samen die unter Luftabschluss hier mehrere Tausend Jahre konserviert wurden. In der Mitte des Kessels war die Torfschicht so tief das wir nicht bis zum Grund vordringen konnten. Aufgrund der Morphologie schätzen wir die Tiefe auf 13-17 m.